Gesundheit
Eine ehrliche Bestandsaufnahme: was die Forschung zu gesundheitlichen Effekten der E-Zigarette weiß, was sie nicht weiß, und was bei dem EVALI-Ausbruch 2019 wirklich passiert ist.
Was wir wissen
- Kein Tabakrauch. Die meisten der über 4000 Substanzen einer Tabakzigarette — darunter ca. 70 als kanzerogen eingestufte — entstehen beim Dampfen nicht, weil keine Verbrennung stattfindet.
- Kein Teer, kein CO. Die zwei häufigsten Auslöser klassischer Raucherlungenkrankheiten kommen im E-Aerosol nicht vor.
- Atemwegsfunktion bei vollständigem Umstieg. Studien zeigen meist eine Verbesserung der Lungenfunktion bei ehemaligen Raucher:innen nach 6–12 Monaten Dampfen.
- Herz-Kreislauf-Marker. Blutdruck und Cholesterin verändern sich bei vollständigem Umstieg in Richtung der Werte von Nichtraucher:innen.
- Nikotin selbst macht abhängig und beeinflusst Herz-Kreislauf-System; in Reinform aber deutlich weniger schädlich als der Tabakrauch insgesamt.
Was wir nicht wissen
- Langzeitfolgen über 20+ Jahre. E-Zigaretten gibt es seit ca. 2007 im Massenmarkt. Robuste Daten über 30 Jahre wie bei der Tabakzigarette gibt es schlicht noch nicht.
- Aroma-Zerfallsprodukte. Manche Aromen erzeugen beim Erhitzen Aldehyde (z. B. Acetaldehyd). Bei hohen Wattzahlen können auch Spuren von Formaldehyd entstehen — weit unter den Werten der Tabakzigarette, aber nicht null.
- Effekt auf das Asthma-Risiko bei Kindern. Passivdampfen ist weniger problematisch als Passivrauchen, aber Studien zur kindlichen Atemwegsentwicklung laufen.
- Bestimmte Inhaltsstoffe und Krebsrisiko. Da bestimmte Substanzen Krebs erst nach Jahrzehnten auslösen, ist eine vollständige Bewertung noch nicht möglich.
EVALI 2019 — was das wirklich war
2019 erkrankten in den USA mehrere tausend Menschen an einer schweren Lungenerkrankung, die unter dem Akronym EVALI (E-cigarette or Vaping product Use-Associated Lung Injury) bekannt wurde. Über 60 Menschen starben.
In der Aufarbeitung durch die US-Gesundheitsbehörde CDC wurde klar:
- Die Ursache war fast ausschließlich Vitamin-E-Acetat als Verdünnungsmittel in illegal verkauften THC-Cartridges auf dem Schwarzmarkt.
- Regulär verkaufte Nikotin-E-Liquids waren nicht die Ursache.
- In Deutschland und der EU ist Vitamin-E-Acetat in E-Liquids ohnehin verboten (TPD2, BfR).
EVALI war damit ein Marktversagen des US-Schwarzmarktes für THC-Produkte — und sagt wenig über die Sicherheit regulär verkaufter Nikotin-E-Liquids in Deutschland aus. Wer das Ereignis als Argument gegen E-Zigaretten heranzieht, vergleicht zwei sehr unterschiedliche Dinge.
Was Verbrennung und Verdampfung quantitativ unterscheiden
Aus Studien (u. a. Goniewicz et al., Stephens 2018):
- Formaldehyd, Acetaldehyd: 9–450 mal weniger im E-Aerosol bei normaler Wattzahl.
- Acrolein: deutlich weniger.
- Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH): praktisch nicht nachweisbar.
- Tabakspezifische Nitrosamine (TSNA): nahe der Nachweisgrenze.
- Schwermetalle: bei manchen Geräten in Spuren — Coil-Material und Verdampfertemperatur entscheidend.
Risiken, die bleiben
- Nikotinabhängigkeit. Bleibt erhalten oder entsteht neu.
- Reizung der Atemwege. Manche Anwender:innen erleben in den ersten Wochen Husten oder trockenen Mund.
- Akutreaktionen. Allergische Reaktionen auf Aromen sind selten, aber dokumentiert.
- Akkusicherheit. Defekte Akkus können in Brand geraten — siehe Glossar.
Schwangerschaft
Nikotin in jeder Form (Tabak, E-Zigarette, Pflaster) ist in der Schwangerschaft gesundheitsschädlich für den Fötus. Die BZgA und das RKI empfehlen vollständigen Verzicht. Wer in der Schwangerschaft nicht aufhören kann, sollte ärztliche Beratung suchen — die E-Zigarette ist im Vergleich zur Tabakzigarette wahrscheinlich weniger schädlich, aber kein empfohlener Weg.